Ein Sanitärbetrieb aus dem Aargau braucht eine neue Website. Die Anfragen bei drei Agenturen kommen rein, und alle drei schlagen dasselbe vor: WordPress. Ohne Rückfrage, ohne Begründung. WordPress ist der Standard, also wird WordPress angeboten. Die Frage, ob das für einen klassischen Handwerksbetrieb wirklich die sinnvollste Lösung ist, stellt keiner.
Dabei ist die Frage berechtigt. Für einen Betrieb, der keine täglichen Blogbeiträge publiziert und keinen Online-Shop betreibt, bringt WordPress ein System mit, das er nie braucht, aber trotzdem warten muss. Ob das stimmt und was die Alternative konkret bedeutet, haben wir mit echten Messungen an Aargauer Handwerkerseiten überprüft.
Was ist der Unterschied zwischen WordPress und einer statischen Website?
WordPress baut jede Seite bei jedem Aufruf aus einer Datenbank neu zusammen. Eine statische Website liefert fertige Dateien direkt aus, ohne Datenbank, ohne Server-Rechenzeit.
WordPress ist ein sogenanntes Content-Management-System (CMS). Wenn jemand eine WordPress-Seite aufruft, führt der Server im Hintergrund eine Reihe von Schritten aus: PHP-Code wird ausgeführt, Daten werden aus einer Datenbank geladen, Plugins verarbeiten die Anfrage, und erst dann wird die fertige Seite an den Browser geschickt. Das geschieht bei jedem einzelnen Aufruf neu. Der Vorteil dieses Prinzips ist Flexibilität: Inhalte lassen sich über ein Backend ändern, ohne Programmierkenntnis.
Eine statisch gebaute Website funktioniert anders. Die fertigen HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien werden einmalig erzeugt und dann direkt auf einem CDN (Content Delivery Network) bereitgestellt. Wer die Seite aufruft, bekommt sofort die fertige Datei, ohne Datenbankabfrage und ohne Server-Rechenschritte dazwischen. Die Seite ist schneller, weil weniger passiert, bevor der Inhalt beim Besucher ankommt.
Was ist schneller, WordPress oder eine statische Website?
Die statische Bauweise. In unserer Messung erreichten WordPress-Seiten von Aargauer Handwerksbetrieben im Median 61 von 100 Punkten bei der mobilen Performance, eine statisch gebaute Seite 90 und mehr.
Wir haben neun öffentlich erreichbare WordPress-Websites von Aargauer Handwerksbetrieben mit Google PageSpeed Insights gemessen, jeweils für Mobilgeräte in der Kategorie Performance. WordPress wurde jeweils über die Generator-Angabe im Quelltext oder die REST-Schnittstelle bestätigt. Die Ergebnisse:
| Bauweise | Mobile Performance (Median) |
|---|---|
| WordPress-Seiten von 9 Aargauer Handwerksbetrieben | 61 von 100 |
| Statisch gebaute Website (digitalolymp.ch) | 99 von 100 |
Eigene Messung, 22.07.2026. Google PageSpeed Insights (Lighthouse), Messung für Mobilgeräte, Kategorie Performance. Stichprobe: 9 öffentlich erreichbare WordPress-Websites von Aargauer Handwerksbetrieben (WordPress bestätigt über Generator-Angabe bzw. REST-Schnittstelle), anonymisiert. Werte 53 bis 72, Median 61.
Was bedeutet das in der Praxis? Alle neun gemessenen Seiten lagen unter 75 Punkten, drei davon unter 60. Eine statische Referenz erzielte 99 Punkte. Sauber gebaute statische Handwerker-Seiten erreichen 90 und mehr, entscheidend ist die Bauweise, nicht das Bild. Wie Sie Ihre eigene Seite messen, zeigt der Webseiten-Schnellcheck.
Warum Tempo zählt: Eine Seite, die auf dem Handy spürbar zögert, verliert Besucher, bevor sie überhaupt ihren Betrieb vorstellen kann. Wer abspringt, ruft nicht an.
Was bedeutet der Geschwindigkeitsunterschied für Google-Rankings?
Tempo ist ein bestätigtes, aber leichtes Ranking-Signal. Es entscheidet selten allein, wirkt aber als Tie-Breaker zwischen ähnlich relevanten Seiten und beeinflusst, wie viele Besucher bleiben.
Google hat Seitentempo als Ranking-Faktor bestätigt, im Rahmen der Core Web Vitals und des Page Experience Updates. Dass Tempo als bestätigter, aber leichter Faktor gilt, heisst konkret: Relevanz schlägt Ladezeit. Eine inhaltlich starke, langsamere Seite kann eine inhaltlich schwache, schnelle Seite trotzdem übertrumpfen. Wenn zwei Seiten ähnlich gut auf eine Suchanfrage passen, kann Tempo den Ausschlag geben.
Für einen Handwerksbetrieb ist der direktere Effekt allerdings ein anderer. Eine langsame mobile Seite verliert Besucher, bevor ein Ranking-Algorithmus überhaupt zur Wirkung kommt. Eine Seite, auf der alle abspringen, sendet schlechte Signale, und der nächste potenzielle Kunde ruft beim Mitbewerber an, dessen Seite geladen hat.
Wie steht es um Sicherheit und Wartung?
WordPress-Sicherheit hängt an Plugins. 2025 wurden über 11'000 Sicherheitslücken im WordPress-Ökosystem gemeldet, die grosse Mehrheit in Plugins. Eine statische Website hat weder Plugins noch Datenbank.
Laut dem Sicherheitsbericht von Patchstack wurden 2025 rund 11'334 Sicherheitslücken im WordPress-Ökosystem gemeldet, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. 91 Prozent davon betrafen Plugins, nur 6 den WordPress-Kern selbst. Das zeigt: Der Kern ist solide. Das Risiko entsteht durch das Plugin-Ökosystem, auf das praktisch jede WordPress-Seite angewiesen ist.
Jede WordPress-Installation braucht regelmässige Updates: Kern, Themes, Plugins. Wer das nicht konsequent macht, riskiert bekannte Lücken. Wer es macht, investiert Zeit oder Geld. Beides ist legitim, aber es ist ein laufender Aufwand, der mit einer statischen Website schlicht nicht anfällt. Ohne Datenbank und ohne Plugins gibt es keine der typischen Angriffsflächen, über die WordPress-Seiten kompromittiert werden.
Was ist mit Lock-in und laufenden Kosten?
Eine statische Website läuft ohne Plugin-Abos und schlank im Hosting. Wichtig ist die Eigentumsfrage: Domain, Code und Ihre Inhalte gehören Ihnen.
Bei WordPress entstehen neben dem Hosting oft Kosten für kostenpflichtige Plugins oder Premium-Themes, dazu kommt der Zeitaufwand für Updates. Wie viel eine Website insgesamt kostet, zeigt unser Beitrag Was eine Website wirklich kostet.
Bei einer statisch gebauten Website entfallen Plugin-Abos. Das Hosting ist schlank. Der wichtigere Punkt ist die Eigentumsfrage: Kein Lock-in heisst konkret, dass Domain, Code und Ihre Inhalte Ihnen gehören, nicht der Plattform. Was das bedeutet und was beim Wechsel oder der Überarbeitung einer bestehenden Seite zu beachten ist, zeigt die Seite Website-Tuning und Neuaufbau.
Wann ist WordPress trotzdem die richtige Wahl?
Wenn Sie regelmässig selbst bloggen, einen echten Online-Shop betreiben oder täglich Inhalte ändern, spielt WordPress seine Stärke aus. Für eine klassische Firmen-Website überwiegt der Wartungsaufwand.
WordPress ist aus gutem Grund das meistgenutzte CMS der Welt. Für bestimmte Anwendungsfälle ist es die klar bessere Wahl: Wer einen grossen Blog mit vielen Autoren und häufigen Beiträgen betreibt, wer einen echten Online-Shop mit WooCommerce aufbauen will, oder wer täglich Seiteninhalte selbst und ohne Entwickler anpassen möchte, der profitiert von der Flexibilität des Systems.
Für einen klassischen Handwerksbetrieb, der seine Leistungen, Kontaktdaten und vielleicht ein paar Referenzen zeigen will, treffen diese Punkte in der Regel nicht zu. Die Inhalte ändern sich selten, einen Shop gibt es nicht, und ein eigener Blog wird im Alltag oft nicht konsequent bespielt. In diesen Fällen trägt man das Gewicht des Systems, ohne seinen Vorteil zu nutzen.
| Kriterium | WordPress | Statische Website |
|---|---|---|
| Tempo (mobil, gemessen) | Median 61 von 100 | 90 und mehr, Referenz 99 |
| Sicherheit | Plugin-abhängig | keine Plugins, keine Datenbank |
| Wartung | laufende Updates nötig | minimal |
| SEO-Grundlage | solide, tempoabhängig | schnelle Ladezeit ab Werk |
| Lock-in | Themes, Plugins, Hosting | Domain, Code und Daten gehören Ihnen |
| Laufende Kosten | Hosting + Plugins + Update-Aufwand | schlankes Hosting |
| Selbst editieren | im Backend, ohne Entwickler | Agentur oder schlankes Redaktionssystem |
Was sollten Handwerker konkret wählen?
Für die meisten Handwerksbetriebe ist eine statisch gebaute Website die bessere Wahl: schneller, sicherer, günstiger im Unterhalt. WordPress lohnt sich bei Blog, Shop oder täglichen Änderungen.
Wenn Sie einen Handwerksbetrieb führen, selten Inhalte ändern und keinen Online-Shop benötigen, sprechen Tempo, Sicherheit und Wartungsaufwand klar für die statische Bauweise. Das ist kein Pauschalurteil gegen WordPress, sondern die ehrliche Einschätzung für den häufigsten Fall in diesem Gewerbe.
Wer eine neue Website für seinen Betrieb plant oder die bestehende ersetzen möchte, findet auf der Seite Website für Handwerker den Ansatz, den wir empfehlen und umsetzen.